Kerbschnitzen & Co.

Ein beliebtes Hobby ist zweifelsohne das Schnitzen, genauer das Holzschnitzen. Hierbei wird mit viel Geschick und unter Zuhilfenahme geeigneter Werkzeuge eine Musterung in das Holz gezaubert. Die Schnitzereien können vielfältiger Art sein, beispielsweise Figuren für die weihnachtliche Krippe, die Musterung des eigenen Gartenzaunes, ein mit vielen Mustern versehener Holzteller, der als Dekoration in einer Vitrine oder an der Wohnungswand eingesetzt werden kann und vieles mehr.

Beim Schnitzen sind einige Arbeitsschritte erforderlich, um ein gelungenes Endergebnis erreichen zu können. Die Arbeiten beginnen mit der Idee einer Figur oder eines Musters. Diese Idee muss auf Papier gebracht werden und wird immer weiter verfeinert, bis sie als Vorlage dienen kann.

Danach folgt die Auswahl des richtigen Holztyps. Jedes Holz hat seine eigene Charakteristik und nicht jedes Holz kann für jede Art des Holzschnitzens verwendet werden. Setzt man auf den falschen Holztyp, wird man kaum ein gutes Ergebnis erzielen können. Daher ist beim Schnitzen viel Wissen über Holz vonnöten.

Hat man das richtige Holz gefunden, muss noch überlegt werden, welche Form von Schnitzstil geeignet ist, um der Vorlage und der Idee gerecht zu werden. Es gibt verschiedene Arten des Schnitzens - die bekannteste ist wohl das Kerbschnitzen, aber es gibt noch weitere Stilrichtungen.

Zuletzt bedarf es der richtigen Werkzeuge und des eigenen Geschicks, um dem Holz die Figuren zu entlocken, die man sich vorgestellt hat. Dazu braucht man auch ein wenig Geduld und viel Übung, aber das lohnt sich allemal, wenn man später stolz seine Ergebnisse herzeigen kann.

 

Älteste Schnitzart

Das Kerbschnitzen ist die älteste bekannte Form des Holzschnitzens und ist wohl auch die bekannteste Art, Muster in ein Stück Holz zu zaubern. Der Kerbschnitt gilt auch als die einfachste Form des Schnitzens und wird für erste Übungen, wenn man sich für das Schnitzen zu interessieren beginnt, herangezogen.

Beim Kerbschnitzen werden dreieckige Keile aus dem Holz herausgearbeitet, die in Summe ein geometrisches Muster ergeben. Der Fantasie ist dabei keine Grenze gesetzt. Ursprünglich wurde der Kerbschnitt verwendet, um Holzmöbel zu verschönern. Dieses Anwendungsgebiet gibt es auch heute noch, wobei viele zusätzliche Möglichkeiten des Kerbschnitzens gefunden wurden.

Die Palette der Möglichkeiten reicht vom Verzieren von Gegenständen über Holzteller, die man als Wandschmuck anbringen kann bis zu praktischen Hilfen für den Alltag, wie Kerzenhalter, die mit den Kerbmustern verziert sind oder Halterungen diverser Art, wie man sie in der Küche brauchen kann.

Mit dem Drei- und Sechsschnitt lassen sich wunderbare Ergebnisse erzeugen. Der Dreischnitt besteht aus zwei senkreichen Schnitten und einem Schrägschnitt, während der Sechsschnitt drei senkrechte Schnitte erfordert, die durch drei Schrägschnitte ergänzt werden. Mit diesen beiden Techniken lassen sich bereits die genannten Schnitzergebnisse erzielen.

 

 

Ein Bild aus dem Holz zaubern

Bei der Technik des Reliefschnitzens werden keine Muster in das Holz eingearbeitet, wie beim Kerbschnitzen, sondern der Hintergrund des gewünschten Objekts entfernt, sodass das Objekt selbst in den Mittelpunkt rückt. Auf diese Weise entsteht ein bildartiger Eindruck, der den Betrachter beeindruckt.

Beim Reliefschnitzen unterscheidet man zwei Kategorien von Schnitzarbeiten, die vom Endergebnis abhängen. Beim Basrelief hebt sich das Objekt (zum Beispiel ein Haus) vom Hintergrund nur leicht ab, während bei einem Hochrelief der Unterschied zum Hintergrund deutlich stärker herausgearbeitet wird.

Das Reliefschnitzen kannten schon die Ägypter und wurde besonders im 17. und 18. Jahrhundert zur Kunstform, als zahlreiche Werke von Holzbildhauern mit genau dieser Technik geschaffen wurden. Viele dieser Bilder finden sich heute in Museen und gelten weltweit als Vorbilder für das Reliefschnitzen. Heute wird das Reliefschnitzen gerne bei Möbelverzierungen aber auch für Wandplakate verwendet.

Im Gegensatz zu anderen Schnitzarten ist beim Reliefschnitzen Systematik gefragt. Bei manchen Werken ist es unerlässlich, verschiedene Techniken einzusetzen, um ans Ziel zu gelangen, aber auch dieser Wechsel der Bearbeitung sollte gut überlegt sein. Hilfreich ist ein zeichnerischer Entwurf, der die Linie vorgibt, nach der vorzugehen ist.

Reliefschnitzen beginnt immer mit dem Umreißen. Hierbei wird um das geplante Objekt geschnitten, um die Erhabenheit zu verstärken. Dazu wird ein Geißfuß verwendet. Als nächstes folgt das Konturieren, indem die Kanten des Motivs senkreich bearbeitet werden. Der Umrißschnitt, der so entsteht, wird erweitert, bis der Hintergrund im gewünschten Maß zurückgedrängt ist.

Schritt drei ist die Hintergrundbearbeitung, durch die unnötiges Holz entfernt wird. Das wird durch zahlreiche Schnitte durchgeführt, die je nach Motiv von innen oder außen angesetzt sind. Abgeschlossen wird die Reliefschnitzerei mit dem Modellieren, bei dem die Details des Motives noch überarbeitet oder verstärkt werden können.

 

 

Die Natur nachbilden

Schon seit jeher hat der Mensch die Natur malerisch festgehalten und auch das Schnitzen von Tier und Mensch ist schon seit tausenden Jahren bekannt. Heute hat sich der Blick des Künstlers zwar im Hinblick auf seine Sichtweise etwas verändert und ist realistischer geworden als die damaligen Motive, die Grundidee ist aber die gleiche geblieben.

Denn beim Figurenschnitzen geht es um die Nachbildung der Natur, der Umgebung, die man wahrnimmt. Besonders beliebt sind dabei die Tierfiguren, die aus dem Holz herausgearbeitet werden, aber auch menschliche Nachbildungen sind gern gewählte Motive für das Figurenschnitzen.

Im Gegensatz zu anderen Schnitzereien bewegt man sich beim Figurenschnitzen zumeist im dreidimensionalen Tätigkeitsfeld, was eine besondere Herausforderung aber auch jede Menge Spaß bedeutet. Mit dieser Herausforderung einher geht die Tatsache, dass man sich als Schnitzer bewusster mit der Natur auseinandersetzt. Es geht dann oft nicht mehr um das Schnitzen als solches, sondern um das Bemühen, möglichst nahe an die Naturvorlage zu gelangen, beispielsweise bei Nachbildungen von Vögel, Fische oder Wildtiere.

Bei dieser Form des Schnitzens kommen einige Spezialaufgaben auf den Schnitzer zu, die es bei klassischen Musterschnitzereien nicht gibt. Dazu zählen beispielsweise die Augen von Tieren, die extra eingesetzt werden müssen oder auch bei Vögel das Entwerfen, Gestalten und Fixieren der Beine und ihrer Krallen.

Eine beliebte Anwendung des Figurenschnitzens ist die Krippe für den Weihnachtsbaum oder andere Schnitzereien, die mit der Adventzeit in Zusammenhang stehen. Aber besonders die bekannten Figuren, die zur Krippe dazugehören - Tiere wie Menschen - werden sehr gerne als Schnitzvorlage herangezogen.

 

Quelle: www.wissenswertes.at